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Vereinbarkeit von Familie mit Beruf/Studium


Einführender Text Thema "Vereinbarkeit von Familie mit Beruf/Studium".

Geburtswehen einer Campus-Kita

 
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Geburtswehen einer Campus-Kita

Prof. Dr. Carmen A. Finckh, Hochschule Reutlingen
 
Wie sich Familie und Beruf/Studium vereinbaren lassen, bleibt unverändert ein wichtiges Thema. Die Hochschule Reutlingen (HS RT) setzt auf eine familienbewusste Hochschulpolitik. Der Titel „familiengerechte Hochschule“ verpflichtet sich in diese Richtung weiterzuentwickeln.

Mit der Auszeichnung „familiengerechte Hochschule“ stärkt die Hochschule Reutlingen ihr Image als familiengerechte Hochschule und unterstützt den bereits begonnenen Kulturwandel. An der Hochschule sind bereits einige familienfreundliche Projekte umgesetzt worden. Dazu gehört seit 2007 die Campus-Kita. Nach drei Jahren soll dieser Beitrag als kritisches Zwischenfazit aus Sicht der Gleichstellungsbeauftragten verstanden werden.

Campus-Kita
Die Gleichstellungsbeauftragten der Hochschule Reutlingen haben die Vision eines modernen Kinderhauses auf dem Campus für alle Kinder von 0-6 Jahren von Studierenden und Mitarbeiter/-innen. Diese sogenannte „große Lösung“ konnte bislang nicht umgesetzt werden. In der 2007 neu gegründeten Campus-Kita werden 10 Plätze für die Kinder bis drei Jahren von Hochschulmitarbeiter/-innen angeboten. Sie stellt damit in der heutigen Form eine umgesetzte Teillösung der ursprünglichen Vision (sogenannte kleine Lösung) dar. Diese „kleine Lösung“ wurde in einer ehemaligen Hausmeisterwohnung mit Gartenanteil realisiert werden. Für 2-6-jährigen  Kinder der Studierenden existierte bereits eine Kita des Studentenwerks mit 16 Ganztagesplätzen in der Nähe der Hochschule.

Warum wurde die „große Lösung“ nicht umgesetzt?

  • Die finanzielle Unterstützung erfolgt über ein Förderprogramm des Wissenschaftsministeriums. Dieses Programm richtet sich speziell an die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Hochschulen. Für die Betreung der Studierendenkinder war schon damals das Studentenwerk zuständig. Zur Finanzierung einer „großen Lösung“ wäre eine Unterstützung der Stadt Reutlingen und des Studentenwerks erforderlich gewesen. Die Hochschule konnte dies aus eigenen Mitteln nicht umsetzten.
  • Obwohl die Bedarfsanalyse der Gleichstellungsbeauftragten der Hochschule Reutlingen in 2006/2007 die Betreuungslücke bei den Studierendenkindern von 0 bis 2 Jahren aufzeigte, war das Studentenwerk nicht zu einer Beteiligung an dem Vorhaben zu bewegen.
  • Die Hochschule Reutlingen selbst hatte zum damaligen Zeitpunkt noch keine Erfahrung in dem Anbieten von Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Unklar war uns, wie sich die Akzeptanz und damit einhergehend die Auslastung im Zeitverlauf darstellen würde.

Status Quo
Die Zufriedenheit mit der Betreuung in der Kita ist sehr hoch. Das Angebot sehr geschätzt. Das zeigt sich auch an der kontinuierlich steigenden Nachfrage und an den persönlichen Rückmeldungen.

Am Anfang hatten wir Probleme in der Belegung der Plätze mit Kindern von Mitarbeiter/-innen. Die Restplätze wurden in den vergangen Jahren Studierendeneltern für ihre Kinder zur Verfügung gestellt.

Jetzt haben wir die Situation, dass keine Kinder mehr von Studierenden aufgenommen werden können, da die Nachfrage von den Mitarbeiter/-innen entsprechend hoch ist. Die Studierenden fallen wieder in die Betreuungslücke, da das Studentwerk immer noch keine Lösung für die Betreuung von Kindern unter 2 Jahren anbietet.

Die HS RT möchte sich die nächsten Jahren familiengerecht ausbauen. Dieses Vorhaben umfasst alle Personengruppen auf dem Campus und steht im Widerspruch zur aktuellen Betreuungssituation der Kinder.

Ist jetzt die Zeit reif für eine „große Lösung“?
Im Hinblick auf das Ziel, eine familiengerechte Hochschule sein zu wollen, sollte sich die Situation verbessern. Es gibt folgende Lösungsansätze: Erstens könnte über die Kooperation mit dem Tagesmütterverein neue Wege eingeschlagen werden. Zweitens könnte man sich auf die „große Lösung“ zurückzubesinnen und sie umzusetzen. Aus Sicht der Gleichstellung müßte angesichts der Bedeutung des Themas die Umsetzung der „großen Lösung“ der Weg sein. Vielleicht ist jetzt die Zeit reif für ein Schulterschluss zwischen der Hochschule, dem Studentenwerk und der Stadt Reutlingen. Wir halten an der Vision fest: eine gemeinsame Kita für alle auf dem Campus; vielleicht im Erdgeschoss eines neuen Wohnheims oder auch in einem neugebauten Pavillon. Ideen hierzu gibt es schon viele.

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Prof. Dr. Carmen A. Finckh, Hochschule Reutlingen

Professorin für Allg. BWL mit Schwerpunkt Controlling und Rechnungswesen
Gleichstellungsbeauftragte

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Prof. Dr. Ulla Törnig, Hochschule Mannheim

Wie macht man eine Hochschule familienfreundlich? Die zündende Idee kam ursprünglich von der ASTA-Vorsitzenden: Die Studierenden der Hochschule – angehende Fachkräfte der sozialen Arbeit- sollen diese Frage selbst lösen.

2006 bot ich deshalb erstmals im Rahmen des Projektstudiums das Thema familienfreundliche Hochschule an. Hier brachten sich in den Folgejahren Studierende jeweils für zwei Semester als Fachkundige ein. Schwerpunkte des Projektes waren bisher Kinderbetreuung, Öffentlichkeitsarbeit, Angehörigenpflege und Ferienbetreuung. Die Arbeitsergebnisse der Projektgruppe kommen der Hochschule Mannheim (HS MA) unmittelbar zugute.

In Sachen Kinderbetreuung wurde beispielsweise ein Eltern-Kind-Raum konzipiert und eingerichtet. Hier findet auch die selbstorganisierte Kinderbetreuung statt. Die HS MA verfügt über ein Babysitternetzwerk: Studierende der Fakultät für Sozialwesen (häufig ausgebildete Erzieherinnen) bieten die punktuelle Betreuung der Kinder von Hochschulangehörigen (Mitstudierenden, MitarbeiterInnen und Lehrenden) an. Es wurde ein Lageplan erstellt, der „Orte für Kinder“ ausweist, damit Eltern auf dem Campus z.B. Wickelzimmer, Stillraum, Spielecke, Kinder-Bücherkisten etc. auch finden.

Zahlreiche Informationsmaterialien wurden von der Projektgruppe erarbeitet. Dazu gehören beispielsweise das Faltblatt „Elterngeld im Studium“ oder die Broschüre „Ferienbetreuungsangebote“. Insbesondere jedoch für die vergleichsweise schwierige Thematik „Angehörigenpflege“, die neben der Kinderbetreuung einen Schwerpunkt der familiefreundlichen Hochschule bildet, kann hier heute einiges an Wissenswertem vorgehalten werden: Eine Linkliste „Pflegefall - was nun?“ sowie die Faltblätter „Angehörigenpflege im Studium“ und „Kinder psychisch kranker Eltern“.

All dieses Material will freilich gepflegt, erneuert und weiter entwickelt sein; und auch das übernehmen bis heute Studierende, die sich in der sog. „Community familienfreundliche Hochschule“ freiwillig engagieren.
Fachvorträge wurden von den Studierenden organisiert, wie beispielweise „Betreuungsrecht light“. Und auch hier wurden vorhandene Ressourcen genutzt: so waren es Kolleginnen, die zu den Themen „Pflege von Angehörigen in der Familie“, „Pflegereform 2008“ oder „Betreuungsrecht light“ referierten.

Die Liste der vorhandenen Ressourcen lässt sich fortsetzten: das Studentenwerk gehört hier natürlich dazu, insbesondere die Mensa. Dort bieten man an der HS MA nicht nur Hochstühle und Fläschchenwärmer an, sondern auch ein Eltern-Kind-Menue.

Aber auch außerhalb der Hochschule wird Passendes vorgehalten: Dank guter Kooperationspartner verfügt die HS MA heute über ein reichhaltiges Unterstützungsangebot: Krippenplätze in einer hochschulnahen Kindertagesstätte und in einer Krippe des Studentenwerks, die Vermittlung von FamilienassistenInnen für Pflegedürftige.

Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht und kann nur empfehlen: Identifizieren Sie die Ressourcen und Möglichkeiten im Umfeld Ihrer Hochschule und nutzen Sie sie.

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Prof. Dr. Ulla Törnig, Hochschule Mannheim

Professorin für das Sozialrecht, Bürgerliches Recht, Jugendhilferecht, Jugendstrafrecht
Gleichstellungsbeauftragte von 2003-2006 und von 2008 bis 2012
Stv. Landessprecherin der LaKof BW von 2008-2012