Gewinnen von Schüler/innen


Heute gilt es schon die Jüngsten für Technik zu interessieren, z.B. im Vorschulalter. Doch kann man überhaupt Lust auf Technik wecken und wenn ja, wie? Denn eines ist klar: Neue Ingenieurinnen braucht das Land!

Um insbesondere Mädchen zu gewinnen, muss man sie gezielt ansprechen, z.B. mit Themen wie „Spannendes Licht und Kristallzauber“. Aber auch in der Ausführung müssen diese Angebote gendergerecht sein. Wie kann das aussehen, wenn forsche Schülerinnen forschen?

Will man im Ergebnis Schülerinnen für Ingenieurstudiengänge gewinnen, ist es mit einer Maßnahme in der Regel nicht getan. Hochschulen sind gut beraten in verschiedenen Einzelaktivitäten immer wieder aufs Neue dafür zu werben: Frauen in die Technik!

Damit gewecktes Interesse auch tatsächlich in ein Studium mündet, das erfolgreiche begonnen, durchlaufen und abgeschlossen wird, ist ein Umdenken erforderlich. Junge Frauen müssen hier nicht nur inhaltlich begleitet, sondern auch in ihren individuellen Erwartungen und Kompetenzen gefördert werden. Dann kommen sie auch mit klaren Vorstellungen zum Ziel.

Neue Ingenieurinnen braucht das Land

Prof. Dr. Marianne von Schwerin, Hochschule Ulm
 
Die Industrie fragt stark nach Frauen in technischen Bereichen nach. Doch das Interesse bei Mädchen an den entsprechenden Studiengängen ist gering. An der Hochschule Ulm gehen wir zahlreiche Wege, um festzustellen, wie und ob man überhaupt Lust auf Technik wecken kann.
 
Nachdem in den letzten 50 Jahren meist Technik von Männern für Männer entwickelt wurde, stellt die Industrie nun fest, dass sie die andere Hälfte der Bevölkerung vernachlässigt hat. So gibt es zunehmend Frauenquoten bei Unternehmen, doch zur Besetzung von technisch oder organisatorisch anspruchsvollen Stellen fehlen die geeigneten Kandidatinnen, denn der Anteil an Studentinnen in technischen Fächern ist gering.
 
Das bedeutet, es muss neues Interesse bei Mädchen für Fächer wie Maschinenbau oder Elektrotechnik erzeugt werden. Doch wann und wie kann man sie für Technik gewinnen? Einige Studien weisen das Vorschulalter als wichtige Grundsteinlegung aus, so dass wir an der Hochschule Ulm tatsächlich auch dort einsteigen. In Zusammenarbeit mit der lokal ansässigen Fachschule für Erzieherinnen bieten wir nun Lehreinheiten im Rahmen der Ausbildung zur Erzieherin an. Hier geht es darum, Phänomene des täglichen Lebens als kindgerechte Versuche aufzubereiten und zu erklären.
 
Auch die Grundschulen werden von uns unterstützt. Hier bieten wir Einzelprojekte zu verschiedenen naturwissenschaftlichen Themen an oder führen Kurse im Rahmen der Schüler- und Schüleringenieursakademie für interessierte Schülerinnen durch.
 
Nachdem die meisten technischen Themen Grundlagenwissen in Mathematik, Physik und Informatik benötigen, ist die Zeit in Unter- und Mittelstufe der höheren Schulen am besten geeignet, um durch spannende Projekte Interesse zu wecken. Girlsday, Projekttage, Probestudium, Schülerinnen-Informationstage sind mittlerweile übliche Angebote, doch sind die so erzeugten Berührungen zwischen Schülerinnen und Hochschule zu sporadisch, um anhaltende Begeisterung für ein Fachgebiet zu erzeugen.
 
Außerdem ist es schwierig, die richtige Balance zwischen dem Anspruch der Aufgabe und dem Wissen der Kinder herzustellen – Reaktionen wie „ Das ist alles zu kompliziert“, „Maschinen sind fürchterlich langweilig“, „Handy und Computer sollen funktionieren, egal wie“ darf es nicht geben. Das Gegenteil erlebbar zu machen ist eine echte Herausforderung.
 
Um den Einfluss von Technikprojekten auf die Wahl der Berufsrichtung  hin zu untersuchen, hat sich die Hochschule nun an der Girlsday-Akademie beteiligt, bei der Mädchen der 8. Klasse über ein ganzes Schuljahr hinweg wöchentlich Einblicke in unterschiedliche Bereiche der Technik und in technische Berufe bekommen.
Ein noch umfassenderes Projekt wurde von uns mit einem Mädchengymnasium definiert. In einem von Klasse 6 bis 10 fortlaufenden Projekt wird in einzelnen Modulen die Lösung einer anspruchsvollen Aufgabe erarbeitet, wie z.B. die Erstellung eines elektronischen Gesellschaftsspiels, das selbst entwickelt wird, von der Spielidee über den Schaltungsentwurf bis hin zur Programmierung. So begleitet eine technische Aufgabe die Mädchen über eine lange Zeit des Schullebens. Wenn dann die Berufswahl der Teilnehmerinnen ansteht, werden wir feststellen können, ob eine statistisch signifikante Abweichung zu den nicht geförderten Mädchen besteht und ob unsere Bemühungen Früchte tragen.
 
Für die Oberstufe, in der die Schülerinnen kurz vor der Berufswahl stehen, haben wir verschiedene neue Kontaktformen entwickelt, in denen wir Interesse für ein techniknahes Studium wecken wollen. Hauptfokus ist hier zu zeigen, wie vielfältig der Beruf der Ingenieurin oder Informatikerin ist und wie wichtig und sinnvoll eine Tätigkeit im Bereich der technik-basierten Zukunftsfelder ist. Hier zeigt sich, dass fast 50% der Schülerinnen, die vorab keinerlei Interesse an diesem Berufsfeld hatten, sich dann doch eine Ausbildung oder ein Studium in den MINT Bereichen vorstellen können.
Die Aktivitäten erfordern viel Zeit und Engagement, aber wir wissen: Erfolgreiche Technikförderung braucht einen langen Atem - an der Hochschule Ulm bringen wir diesen auf!
 
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Prof. Dr. Marianne von Schwerin, Hochschule Ulm


Professorin für Softwaretechnik
Studiendekanin der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik

Forsche Schülerinnen forschen

Prof. Dr. Cosima Schmauch, Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft

Spannendes Licht und Kristallzauber

Der drohende Nachwuchskräftemangel in den ingenieur- und naturwissenschaftlichen Bereichen erfordert eine Lösung. Maßnahmen zielen darauf, das Interesse von Frauen frühzeitig an technischen Themen zu verstärken.

"Chemie und Physik sind Jungenfächer", dieser Ansicht sind sowohl Jungen als auch Mädchen, und das hat Auswirkungen auf die Leistung der Mädchen. Sie schätzen ihre Fähigkeiten in diesen beiden Fächern signifikant schlechter als die der Jungen ein. Um diesem negativen Fähigkeitsselbstkonzept der Mädchen entgegenzuwirken legte das baden-württembergischen Wissenschaftsministerium 2008 das Programm „Schülerinnen forschen“ auf.

Gemeinsam mit der pädagogischen Hochschule Karlsruhe bewarb sich die Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft mit ihrem Programm „forsche Schülerinnen forschen“ (fSf). Schülerinnen ab der 7. Klasse können naturwissenschaftliche Phänomene spielerisch erforschen und durch Experimente verstehen lernen. Sie können mehrere Nachmittage in Labors an den beiden Hochschulen verbringen, in denen sie der Chemie und der Physik in ihrem Alltag und in der Wissenschaft begegnen, und eine ganze Woche in Feriencamps, in denen sie die technischen Erfindungen der Natur aufspüren, analysieren und nachmodellieren.

Im Kurs „Spannendes Licht“ bauen die Mädchen an der Hochschule Karlsruhe für ihr Zimmer zuhause einen Bewegungsmelder, der neugierige Besucher ertappt. Sie verstehen die Funktionsweise des Infrarot-Bewegungsmelders, nachdem sie gelernt haben, dass Licht elektromagnetische Strahlung mit einer bestimmten Wellenlänge ist, dass man Infrarotlicht nicht sehen kann und dass der Infrarot-Bewegungsmelder einen Alarm auslöst, wenn die Wärmestrahlung in einem Raum sich erhöht, weil eine Person ihn betreten hat.

Die Entstehung von Kristallen und die Simulation dieser Entstehung mithilfe von Computerprogrammen ist Thema des Kurses „Kristallzauber“ und richtet sich an Schülerinnen der 11. Klasse. Salz- und Zuckerkristalle, sogenannte Schwefelnadeln und andere Arten von Kristallen werden durch Erhitzen der Stoffe und geeignetes Abkühlen gezüchtet. Wem das zu langsam geht, der kann die Experimente am Computer simulieren. Dazu lernen die Schülerinnen, wie die physikalischen Erkenntnisse zum atomaren Aufbau der Materie, zum Bestreben der Minimierung der Oberflächenenergie, zu den Bildungsprozessen von Strukturmustern, zur Wachstumskinetik und zu den Typen von Kristallgittern in der Simulationssoftware umgesetzt sind.

Anders als in der Schule sind die Mädchen in den Hochschul-Kursen unter sich, sie lernen Neues, das an ihre Interessen angepasst ist (Stichwort: am Geschlecht orientierte Kontextualisierung der Anwendungsbereiche und Lerngegenstände), werden von Studentinnen und Mitarbeiterinnen unterrichtet (Stichwort: weibliche Vorbilder) und können das Neugelernte sowie die in der Schule schon gelernte Theorie praktisch anwenden (Stichwort: Handlungsorientierung).

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Prof. Dr. Cosima Schmauch, Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft

Professorin für Wirtschaftsinformatik
Gleichstellungsbeauftragte

Frauen in die Technik

Prof. Dr. Gabriele Gühring, Hochschule Esslingen

Die Gewinnung von Studentinnen für technische Studienfächer ist schon lange ein Thema der Hoch­schule Esslingen mit dem sich nicht nur die Gleichstellungsbeauftragte, sondern auch  einzelne Fakultäten und das Rektorat beschäftigen. Insofern sind innerhalb der Hoch­schule eine Vielzahl von Einzelaktivitäten entstanden, die dem Ziel dienen den Anteil der Stu­den­tin­nen in den ingenieurswissenschaftlichen Fächern zu steigern. Sie reichen von  Pro­jekten in der Unter- und Mittelstufe bis zu Maßnahmen für Studentinnen vom ersten Studien­se­mes­ter bis hin zu Absolventinnen.

Betrachtet man den Frauenanteil in den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen und der In­for­matik der letzten zehn Jahre bundesweit so gab es zwar eine leichte Steigerung von 19%  auf 21% in den Ingenieurwissenschaften insgesamt  bzw. von 13 % auf 16 % in der In­for­ma­tik [1]. Demgegenüber steht aber der Frauenanteil unter den Schülerinnen und Schülern, die eine Hochschulzugangsberechtigung erworben haben. Er ist seit längerem schon bei fast 53%.  Es finden sich zwar mittlerweile auch in jedem ingenieurwissenschaftlichen Studien­gang­se­mester Studentinnen, nach wie vor orientieren sich die meisten Frauen bei ihrer Studienwahl aber in andere Richtungen. Die Gründe dafür wurden in zahlreichen Studien untersucht [2] und zu­gleich wurden Maßnahmen und Initiativen für Frauen und Mädchen gestartet, die Auf­klä­rung über das Ingenieurstudium und die Berufsmöglichkeiten als Ingenieurin gegeben, auch an der Hoch­schule Esslingen. Sie werden hier beispielhaft aufgeführt und können Anregung für weite­re Projekte sein.

Da ist zunächst der bundesweite Girls' Day an dem sich auch die Hochschule Esslingen be­teiligt. Am Girl’s Day erhalten Schülerinnen Einblicke in die Labore und Studieninhalte der technischen Studiengänge und des Informatikstudiums. In Diskussionsrunden werden da­ne­ben auch die Vorteile und Berufsperspektiven von Ingenieurinnen aufgezeigt.

Zusätzlich macht die Hochschule Esslingen beim „Girls' Campus“ mit. Er ist speziell für be­gabte Schülerinnen der Mittelstufe von Gymnasien ausgerichtet. Gut 30 Schülerinnen schauen sich jedes Jahr die Hochschule Esslingen ganz genau an und verbringen einen Tag am Stand­ort Göppingen an der Fakultät Mechatronik und Elektrotechnik. Die Robert-Bosch-Stiftung engagiert sich hier und wählt aus den Gymnasien im Großraum Stuttgart begabte Schülerin­nen aus, die dann einen individuellen Einblick in die Hochschule bekommen können. Dabei geht es um Themen wie Computer Aided Design, Feinwerktechnik oder Automatisierungs­tech­nik, aber auch eine Studienberatung gehört dazu.

Ganz neu erprobt werden an der Hochschule Technik Workshops für Mütter und ihre Töchter der Klassenstufen 5 und 6. Das Besondere an diesem Technik-Workshop ist, dass auch die Mütter der Schülerinnen daran teilnehmen: So können sie mit ihren Töchtern gemeinsam die Freude an Technik entdecken und ermutigt werden, ihre Töchter zu einem technischen Studium und Beruf anzuspornen.

Die besondere Nachfrage erklärt sich unter anderem dadurch, dass Mütter sonst selten in Projekte einbezogen werden, die darauf abzielen, ihre Töchter für Technik zu sensibilisieren. Ein Bestandteil des Workshops ist neben technischen Versuchen und Anwendungen, die sowohl Mütter als auch ihre Töchter durchführen, auch eine Fragenrunde mit berufstätigen Ingenieurinnen und Studentinnen. Auf diese Art und Weise können Vorbehalte der Mütter gegenüber technischen Studiengängen abgebaut werden und die Schülerinnen, erhalten Informationen aus erster Hand zu den verschiedenen Erfahrungen und Möglichkeiten in technischen Studiengängen, Praktika, Ausbildungen und Berufen.

Haben sich Studentinnen an der Hochschule eingeschrieben, so kann Ihnen das hochschul­wei­te Mentoring Programmes "mentes" helfen, sich in der Minderheitensituation als Studentin eines technischen Studienfaches zurechtzufinden. Das Mentoring-Programm wurde von der Gleich­stellungsbeauftragten ins Leben gerufen. Zielgruppe sind aber nicht nur Studentinnen, sondern auch Studenten. Im Rah­men von mentes werden Studien­an­fänger­in­nen und Studien­an­fänger von erfahrenen Stu­den­tinnen oder Studenten betreut und beraten. Dabei werden Fragen zur Studien­organi­sa­tion, zu Personen, Abläufen und Gremien an der Hoch­schule,  Prü­fungs­anmeldung und –vor­be­rei­tung und vieles mehr in regelmäßigen Treffen innerhalb eines Tan­dems bestehend aus Men­torin oder Men­tor und Mentee be­sprochen.

Für die Studentinnen in höheren Studiensemestern hat die Hochschule Esslingen seit einiger Zeit eine MINT-Karriereberatungsstelle. Zielsetzung der MINT-Karriereberatungsstelle ist es, Frauen aus Fachbereichen, in denen sie bisher stark unterrepräsentiert sind eine optimale Start­hilfe für Karrieren in Führungspositionen der Wirtschaft zu bieten. Individuelle Karriere­beratung, ein auf den beruflichen Alltag vorbereitendes Mentoringprogramm mit erfahrenen Fach- und Führungskräften aus der Wirtschaft und interessante Workshops zu Karriere­pla­nung und Gehaltsverhandlung sind die Angebote der Karriereberatungsstelle. Die MINT-Karriere­­beratungsstelle für Frauen wird durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg aus Mitteln der Landesinitiative „Frauen in MINT-Berufen in Wirt­schaft, Wissenschaft und Forschung“ unterstützt, die gemeinsam mit dem Ministerium für Finanzen und Wirtschaft durchgeführt wird, außerdem wird sie unterstützt durch das Mini­ste­rium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg aus Mit­teln des Europäischen Sozialfonds.

Sicherlich geben die geschilderten Projekte keinen Anlass die Hände in den Schoß zu legen, sondern sollten ständig hinterfragt, erweitert oder angepasst werden. Außerdem muss es ein Bestreben der Hochschule bleiben auch den Professorinnenanteil in den technischen Fächern zu erhöhen, damit Schülerinnen und Schüler sowie Studentinnen und Studenten sehen, dass Technik nicht nur Männersache ist.

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Prof. Dr. Gabriele Gühring, Hochschule Esslingen

Professorin für Mathematik, Finanzmathematik, Statistik
Stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte


[1] Quelle: Statistisches Bundesamt 21.09.2012 und eigene Berechnungen

[2] Siehe z.B. Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech) 2011: Monitoring von  Motivationskonzepten für den Techniknachwuchs (MoMoTech) München/Berlin/Heidelberg

Mit klaren Vorstellungen zum Ziel

Dipl. –Informatikerin (FH) Hannelore Zuckschwerdt, Hochschule Offenburg

Die Hochschule Offenburg reagiert mit einer Flexibilisierung bisher starrer Studienstrukturen auf individuelle Bildungsbiografien. Das Studienmodell startING ermöglicht einen entzerrten Studieneinstieg, eine umfassende Orientierung innerhalb der ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge und verbessert die Aussicht auf Studienerfolg.
 
Frauen in technischen Berufen sind hierzulande immer noch die Ausnahme. Obwohl Mädchen in der Schule in MINT-Fächern außerordentlich erfolgreich abschneiden und damit beste Voraussetzungen für ein Studium in technisch-naturwissenschaftlichen Fächern mitbringen, schrecken sie doch davor zurück.
Dass diese Furcht vor einem Ingenieurstudium unbegründet ist, zeigen die Studienerfolge der Studentinnen im Studienmodell startING. Den besten Abschluss hatte dieses Jahr eine Studentin.
 
Das Bild von Technik, das Frauen sich machen, ist nicht positiv besetzt und entspricht selten ihrem Selbstbild. Struktur und Inhalte eines Ingenieursstudiums gelten als schwierig und arbeitsintensiv. Frauen glauben, zu schlechte Voraussetzungen zu haben. Dies hängt sicherlich mit ihrer Sozialisation und veralteten Rollenbildern zusammen. Zudem sind sich junge Menschen unsicher, was die Wahl des späteren Studienfachs anbetrifft. Besonders trifft dies für junge Frauen zu.
 
Genau an dieser Stelle bietet das Pilotprojekt startING der Hochschule Offenburg eine gute Chance für junge Frauen, genauere Vorstellungen für die späteren Studieninhalte und den Ingenieursberuf zu bekommen und ihren eigenen Weg zu finden - ohne sich von vorne herein festlegen zu müssen.
 
Die Hochschule Offenburg stellt mit startING eines von zwölf Pilotprojekten „Studienmodell individueller Geschwindigkeit“: an baden-württembergischen Hochschulen, die mit insgesamt fünf Millionen Euro vom Land gefördert werden. Ziel des Programms ist es, verstärkt auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Studierenden einzugehen – vor allem in der frühen Phase des Studiums. Durch ein vorgeschaltetes, fakultatives Semester für alle Ingenieurstudiengänge sollen künftig passgenaue Studienverläufe entsprechend den unterschiedlichen Bildungsbiografien der Studierenden möglich werden.
 
Mit dem vorgeschalteten startING-Semester sollen Studierende, die eine Ingenieur-Karriere anstreben, mehr Sicherheit hinsichtlich der Studienfachwahl und bessere Voraussetzungen haben, um schnell und auch mit Freude und Erfolgserlebnissen ans Ziel zu gelangen.
 
Die Hochschule Offenburg bietet startING in Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Freiburg und den Gewerblich-Technischen Schulen Offenburgs seit dem Sommersemester 2011 mit großem Erfolg an.  
 
Neben praktischen Laborversuchen, werden Exkursionen zu interessanten Unternehmen durchgeführt. Orientierungs-Workshops helfen die eigenen Kompetenzen einzuschätzen. Kurzpraktika bei einer Wunschfirma geben Einblick in die Arbeitswelt von Ingenieurinnen. In Kolloquien geben erfahrende Ingenieurinnen und Ingenieure wertvolle Hinweise für die weitere Karriereplanung.
 
Da alle Ingenieurdisziplinen der Hochschule Offenburg die Grundlagenfächer Mathematik, Physik und Elektrotechnik gemeinsam haben, werden dazu im startING-Semester vollwertige Vorlesungen mit vielen zusätzlichen Übungsstunden angeboten. Die Prüfungsleistungen in diesen Fächern werden dann  im nachfolgenden fachspezifischen Ingenieur-Studium anerkannt, wodurch dort Freiräume entstehen, die z.B. für eine Auslandsstudienphase genutzt werden können.
 
Immer mehr Frauen interessieren sich für das Studienmodell startING zunehmend auch außerhalb des typischen Einzugsgebiets der Hochschule. Auch andere Hochschulen und Universitäten interessieren sich für diesen neuartigen Einstieg in ein Ingenieurstudium und prüfen nun, inwieweit sich das Offenburger Modell in ihre Konzepte integrieren lässt.
 
Tatsächlich ist es nach einer Studie des HIS (Minks, 2001) erwiesen, dass einer der Gründe für einen Studienabbruch insbesondere bei Studentinnen in der Korrektur ihrer falschen Erwartungen liegt – nicht nur bezüglich der Studieninhalte, auch hinsichtlich ihrer eigenen Kompetenzen.
Ausgerüstet mit realistischen Erwartungen, dem Erwerb von grundlegenden Kompetenzen und Kenntnis der Lernstrukturen innerhalb der Hochschule sollten Start und Verlauf eines Ingenieursstudiums gut gelingen – denn nichts ist motivierender als Erfolg.
 
Weitere Informationen zu startING unter:  startING.hs-offenburg.de
 
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Dipl. –Informatikerin (FH) Hannelore Zuckschwerdt, Hochschule Offenburg

Koordinatorin des Studienmodells startING