Berufungsverfahren


Prof. Dr. Cornelia Niederdrenk-Felgner, HfWU Nürtingen-Geislingen

In der gegenwärtigen Diskussion des Bologna-Prozesses wird als eine Maßnahme zur Verbesserung der Lehre vorgeschlagen, die Berufungsverfahren sorgfältiger durchzuführen. Diese Forderung und vor allem ihre Umsetzung sind seit Langem integrale Bestandteile der Gleichstellungspolitik an der HfWU und jetzt des Qualitätsmanagements.
 
An der HfWU haben wir im Rahmen unseres Qualitätsmanagements den Prozess des Berufungsverfahrens als einen der zentralen Prozesse identifiziert und mit oberster Priorität aufgegriffen. Dabei ging es zunächst einmal um die Verbesserung der internen Abläufe und die Zusammenstellung und Dokumentation der notwendigen Dokumente.
 
Rasch stellte sich in der Diskussion sowohl innerhalb der Projektgruppe als auch innerhalb der aktuellen Berufungskommissionen die Erkenntnis heraus, dass neben den formalen Kriterien vor allem „weiche“ Kriterien wie persönliche Kompetenzen und Einsatzbereitschaft von zentraler Bedeutung für die Beurteilung der Kandidatinnen und Kandidaten sind und dass deren Berücksichtigung am ehesten eine gute Passung der/des Neuen in die Hochschule gewährleistet.
 
Glücklicherweise konnten wir an dieser Stelle auf Empfehlungen zur Förderung der Gleichstellung in Berufungsverfahren zurückgreifen, die an der HfWU bereits 1997 vom Senat verabschiedet wurden. Dort finden sich genau die wesentlichen Berufungskriterien aufgelistet, um die es uns geht: u.a. Kommunikations- und Teamfähigkeit, Einfühlungsvermögen, Leistungs- und Lernbereitschaft, geistige und emotionale Belastbarkeit und vor allem – dies wird immer wichtiger – Bereitschaft zum Engagement im Grundlagenstudium sowie in Gremien und Arbeitsgruppen. Auch zur Ausgestaltung des Berufungsverfahrens sind bereits Empfehlungen angeführt, die zu einer möglichst objektiven Beurteilung der Kandidatinnen und Kandidaten führen sollen, z. B. Fixierung des Anforderungsprofils, Formalisierung des Auswahlverfahrens, Berücksichtigung individueller Lebensläufe und Berufswege, Berücksichtigung von geschlechtstypischen Verhaltensweisen bei der Präsentation.
 
Diese an der HfWU bereits in der Vergangenheit mit Erfolg berücksichtigten Empfehlungen konnten unmittelbar in unseren Prozess Berufungsverfahren übernommen werden. Sie finden sich im Prozessablauf an geeigneter Stelle in einem der hinterlegten Dokumente wieder, wodurch die Berücksichtigung von Gleichstellungsaspekten bei Berufungsverfahren noch besser als zuvor verankert ist. Darüber hinaus wurde inzwischen in einigen laufenden Verfahren Möglichkeiten erprobt, wie die angeführten Kriterien festgestellt und die Objektivität der Auswahl verbessert werden können – von ausführlicheren Gespräche mit den Kandidatinnen und Kandidaten über Persönlichkeitstests bis zu standardisierten Frage- und Evaluierungsbögen.
 
Rückblickend ist festzuhalten, dass die an der HfWU seit Jahrzehnten konsequent verfolgte Gleichstellungspolitik und ihre volle Anerkennung in allen Bereichen und durch alle Gremien der Hochschule einen ganz wesentlichen Beitrag dazu geleistet hat, dass wir das Berufungsverfahren in den zentralen Punkten festschreiben und verbessern konnten.
 
Der Erfolg wird sichtbar in der Bereicherung, die wir insbesondere durch neuberufene Kolleginnen erhalten haben, und in der Anerkennung und Wertschätzung, die diese an der HfWU erfahren können.
 
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Prof. Dr. Cornelia Niederdrenk-Felgner, HfWU Nürtingen-Geislingen

Professorin für Quantitative Methoden, Mathematik, Statistik
Prorektorin für den Bereich Studium und Lehre
Stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte